W O Y Z E C K

Eine spielerisch-musikalische Reise durch die Stationen der menschlichen Abgründe. 

Von und nach Georg Büchner. Bearbeitung: Oleg Myrzak. Musik: Timur Isik

„Du bist geschaffen aus Staub, Sand, Dreck. Willst du mehr sein als Staub, Sand, Dreck?“

Georg Büchners „Woyzeck“ übt vor allem grundsätzliche Kritik an der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Sein Woyzeck wird sein ganzes Leben lang nur gedemütigt und mißbraucht. Die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts unterscheidet sich zwar von der des 19. Jahrhunderts, aber die wesentlichen Merkmale wie: die Unterdrückung und Rechtlosigkeit der Armen und die Willkür und Straflosigkeit der Reichen, sind nach wie vor eklatant vorhanden. Der Regisseur Oleg Myrzak lässt Woyzeck in der heutigen Zeit spielen und sucht in seiner Inszenierung entsprechende Bilder dafür, wie Woyzeck, ein Mensch, der auf der untersten Stufe der sozialen Leiter steht, seinen Alltag zu meistern versucht.

"Jeder Mensch ist ein Abgrund, es schwindelt einem, wenn man hinabsieht."

Durch die Reduzierung der Figuren auf die vier wichtigsten Protagonisten schafft Oleg Myrzak in seiner Inszenierung eine eigene, groteske und grausame Theaterwelt. Sein Woyzeck handelt aus Verzweiflung und Ausweglosigkeit. Gefangen in einer Zweiklassengesellschaft, einem ausbeuterischen System ausgeliefert, dessen Teil er auch ist, steht Woyzeck ganz allein gegenüber einem Gebilde aus behördlicher Willkür und Autorität, verbunden mit der Macht des Kapitals und geht schlussendlich daran zugrunde.

„Reiss das Herz aus meinem Bauch. Füll´s mit Deiner Liebe auf. Schlag mich tot und küss mich wach. Immer zu. Immer zu.“

Musikalische und sängerische Aspekte, in Verbindung mit einem besonderen inszenatorischen Stil von Oleg Myrzak, ermöglichen eine tiefe Einsicht in das Innenleben der Figuren und ihre Konflikte. Die Lieder von Timur Isik, sowie die Vertonung der büchnerschen Texte, eröffnen eine ganz neue Perspektive auf dieses vor fast zwei Jahrhunderten entstandene Dramenfragment, das an seiner Aktualität nach wie vor nichts verloren hat.

Es spielen: Timur Isik (Woyzeck), Katja Sallay (Marie), Katharina Heyer (Frau Hauptmann), Fjodor Olev (Doktor)
Regie und Ausstattung: Oleg Myrzak
Musik: Timur Isik

Dauer ca 70 Minuten/ Foto: Lucia Gerhardt/ Premiere: Donnerstag,12. Juni 2014 , Theater unterm Dach, Berlin

Wann: Samstag 26.September 18:00
Wo: Theatersaal des Acud
Tickets: zum Vorverkauf hier klicken

Oleg Myrzak

geboren 1972 in Chisinau, Republik Moldau. Schauspieler, Theaterregisseur, mieten-politischer Aktivist. Schauspielausbildung an der Moldauischen Staatlichen Hochschule der Künste, Regieausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin. Inszenierte u.a in Berlin, Leipzig, Reutlingen, Detmold und Zürich. Inszenierungen: u.a. „Elizaveta Bam“ von Daniil Charms, „Katzelmacher“ von Rainer Werner Fassbinder, „Aufzeichnugen eines Wahnsinnigen“ von Nikolaj Gogol, „Die Möve“ von Anton Tschechow, „Die Arabische Nacht“ von Roland Schimmelpfennig. Wohnt in Berlin.

Timur Isik

geboren 1980 in Hamburg. Schauspielausbildung an der UdK Berlin. 4 Jahre Ensemblemitglied am Münchner Volkstheater. Seit 2009 freischaffender Schauspieler in Berlin. Gastengagements am Schauspiel Bochum, Stadttheater Bern, Kammerspiele Magdeburg, Ballhaus Naunynstr. Und anderen. Er hat bei diversen Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt, unter anderem bei Stefan Schallers Kinofilm "5 Jahre Leben". Wohnt in Berlin.

Katja Sallay

geboren 1983 in Ungarn, in Süddeutschland aufgewachsen. 2004-2007 Vollzeitstipendium für Schauspiel am Lee Strasberg theatre & film institute Los Angeles. Seit 2008 freie Schauspielerin in Berlin und unter anderem Wien, wo sie seit 2009 Theater spielt, unter anderem die Hauptrolle in "ALMA". Sie hat bei diversen Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt, unter anderem bei  „Sin & Illy", „Der letzte Mentsch", „Im Winter, so schön", „Polizeiruf 110“. Wohnt in Berlin.

Katharina Heyer

geboren 1983, absolvierte ihre Schauspielausbildung von 2003 – 2007 an der UdK in Berlin. Nach ihrem Abschluss ging sie für 4 Spielzeiten an das Deutsche Theater in Göttingen, gastierte an der Schaubühne am Lehniner Platz (F.I.N.D. Festival) und am Maxim Gorki Theater. Währenddessen drehte sie für Film und Fernsehen. In Grzegorz Muskalas Film „Die Frau hinter der Wand“ spielt sie die Titelrolle. Wohnt in Berlin.

Fjodor Olev

geboren in Moskau 1984. 2003 Studium an der Bayerischen Theaterakademie „August Everding“ in München im Fach Schauspiel. 2005 Vordiplom und Wechsel an die „UDK“ Berlin. 2007 Absolvent der UDK Berlin. Während und nach dem Studium diverse Arbeiten für Film, Fernsehen, Hörfunk und Bühne. Wohnt in Hamburg.
 

http://www.swp.de/reutlingen/lokales/reutlingen/Dressierter-Affe-im-Kaefig-Gastspiel-Premiere-in-der-Tonne-Woyzeck-zeigt-menschliche-Abgruende;art1158528,3133810

https://initiativesolidarischestadt.wordpress.com/2014/06/17/der-entrechtete-mensch-woyzeck-im-theater-unterm-dach/

http://www.livekritik.de/livekritiken/livekritik-von-jamal-tuschick-zu-woyzeck/

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